Publizistik Nr. 3 / 2000 S. 283-309

                 Georg Ruhrmann/Matthias Kohring/Alexander
                 Görke/Michaela Maier/Jens Woelke

                 Im Osten was Neues? Ein Beitrag zur
                 Standortbestimmung der
                 Kommunikations- und
                 Medienwissenschaft


                 EINLEITUNG

                 In Medien machen ist "in". Für viele Studierende gilt das
                 Studium der Kommunikations- und Medienwissenschaft1
                 als eine Art Generalschlüssel für das multimediale
                 Schlaraffenland. Die Bundesrepublik Deutschland als
                 bedeutender europäischer Medienstandort und -markt
                 bietet eine Fülle so genannter "Multimediaberufe", die
                 diesen Ambitionen auch zu entsprechen scheinen. Die
                 Verwaltungen von Universitäten und Fachhochschulen
                 machen sich auf diesen Nachfrageboom ihren eigenen
                 Reim, indem sie Fakten schaffen und neue Studiengänge
                 schöpfen, die nicht zuletzt die Studierendenzahlen
                 erhöhen sollen. Für Fakultäten und Fachbereiche
                 bewähren sich diese Studiengänge als vergleichsweise
                 preisgünstiges Aushängeschild für die hochschul- und
                 wissenschaftspolitisch angemahnte Image- und
                 Profilbildung.

                 All das hat dazu geführt, dass sich die Kommunikations-
                 und Medienwissenschaft mittlerweile - aktuell am
                 augenfälligsten im Osten der Republik - zu einem der
                 nachfragestärksten Studienfächer entwickelt hat. All dies
                 könnte aber auch dazu führen, dass die Kommunikations-
                 und Medienwissenschaft zu einer Manövriermasse sehr
                 heterogener Interessen wird. Ziel der folgenden
                 Ausführungen ist es, den Auf- und Ausbau neuer
                 kommunikations- und medienwissenschaftlicher
                 Studiengänge systematisch zu beschreiben, (selbst)kritisch
                 zu bewerten und daraus weiterführende Perspektiven für
                 das Fach zu entwickeln. Die Idee zu nachfolgendem
                 Aufsatz entstand anlässlich vielfältiger Aktivitäten und
                 Erfahrungen mit dem Universitätsfach Kommunikations-
                 und Medienwissenschaft in den neuen Bundesländern, wo
                 die Autoren an Planung, Konzeption sowie Auf- und
                 Ausbau zweier kommunikations- und
                 medienwissenschaftlicher Studiengänge an Universitäten
                 im Freistaat Thüringen maßgeblich beteiligt waren. Der
                 Entdeckungs- und Begründungszusammenhang unserer
                 Überlegungen basiert auf und profitiert von einer ganzen
                 Reihe von Diskursen, die - wie etwa eine Durchsicht der
                 Fachzeitschrift "Publizistik" zur Historie der Diskussion
                 ergibt - bereits seit Beginn der 60er-Jahre innerhalb2 wie
                 außerhalb3 des Fachs geführt werden.

                 Im ersten Kapitel werden relevante Auslöser und Anlässe
                 für den Boom neuer kommunikations- und
                 medienwissenschaftlicher Angebote an deutschen
                 Universitäten beschrieben und anhand einer eigenen
                 empirischen Erhebung zur Entwicklung des Fachs
                 illustriert. Im zweiten Kapitel versuchen wir, diese
                 Entwicklung zuerst fachlich-systematisch und historisch
                 einzuordnen. Danach diskutieren wir Folgeprobleme der
                 gegenwärtigen Entwicklung und versuchen, wesentliche
                 Aspekte für die notwendige Strukturbildung einer
                 expandierenden Kommunikations- und Medienwissenschaft
                 aufzuzeigen. Das dritte Kapitel haben wir "Blick nach vorn"
                 genannt: Wenn das Fach sich reflexiv seiner selbst
                 vergewissert, hat es allen Grund, optimistisch in die
                 Zukunft zu schauen.
 

                 1 DIE CHANCE DES NEUANFANGS

                 Im Folgenden wird zunächst das deutschlandweite
                 Angebot kommunikations- und medienwissenschaftlicher
                 Studiengänge beschrieben (1.1) und auf einen Wandel des
                 Mediensystems und eine dadurch gestiegene Nachfrage
                 nach Medienkompetenz zurückgeführt (1.2). Im Anschluss
                 daran werden wir uns mit den Folgen dieses
                 Nachfragebooms für die Universitäten auseinander setzen
                 (1.3).
 

                 1.1 Die unverhoffte Chance

                 Unsere Status-quo-Beschreibung des Fachs basiert auf
                 einer Erhebung sämtlicher C3- und C4-Professuren in der
                 Bundesrepublik Deutschland, die eine kommunikations-
                 oder medienwissenschaftliche Widmung aufweisen. Neben
                 eher allgemeinen Bezeichnungen wie
                 Publizistik(-wissenschaft), Journalistik,
                 Kommunikationswissenschaft, Medienwissenschaft (vgl.
                 DGPuK 1999: 2) lassen sich hierbei eine ganze Reihe
                 verschiedener Arbeitsfelder nachweisen. Dabei handelt es
                 sich beispielsweise um Bildwissenschaft,
                 Fachjournalismus, Filmwissenschaft, Medienästhetik,
                 Mediengeschichte, Mediengestaltung/-design,
                 Medienmanagement, Medienökonomie, Medienpädagogik,
                 Medienpsychologie, Medienrecht,
                 Medientechnik/-technologie, Neue Medien und Visuelle
                 Kommunikation.4

                 Insgesamt gingen 52 Universitäten, Technische
                 Universitäten und Künstlerische Hochschulen5 in die
                 Untersuchung ein. Fachhochschulen wurden nicht
                 berücksichtigt.
 
 

                 Erhoben wurden die Zahl der geplanten und die Zahl der
                 besetzten Professuren im Jahr 1997 sowie die Zahl der
                 Professuren, die im Jahr 1987 eingerichtet waren. Tabelle 1
                 verdeutlicht den Ausbau des Faches in den einzelnen
                 Bundesländern und zeigt, dass die Zahl der in der
                 Bundesrepublik eingerichteten Professuren von n = 97 im
                 Jahr 1987 auf n = 204 (einschließlich geplanter)
                 Professuren im Jahr 1997 gestiegen ist, von denen 60
                 Prozent zum Zeitpunkt der Datenerhebung besetzt waren.
                 Die Daten belegen einen deutlichen Aufwärtstrend der
                 universitären Kommunikations- und Medienwissenschaft:
                 Innerhalb von nur zehn Jahren hat das institutionalisierte
                 Angebot um mehr als die Hälfte zugenommen; die
                 Ausbauperspektive sieht sogar - bezogen auf das Jahr
                 1987 - mehr als eine Verdoppelung vor.
 
 

                 Neben der Zahl der Stellen hat auch die geographische
                 Dichte der Institute und Studiengänge deutlich
                 zugenommen (vgl. Schaubilder 1, 2 und 3): Während es im
                 Jahre 1987 in Schleswig-Holstein und Hamburg sowie bis
                 auf Brandenburg (Potsdam) und Sachsen (Leipzig) in der
                 DDR (heute: Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt,
                 Thüringen und Sachsen sowie ein Teil Berlins) noch keine
                 kommunikations- und medienwissenschaftlichen
                 Studiengänge gab, hatte im Jahre 1997 lediglich das Land
                 Mecklenburg-Vorpommern noch keine solche Professur
                 eingerichtet.6 Beherbergten 1987 nur 26 Hochschulen das
                 Fach, so waren es 1997 bereits 52. Dabei war
                 Nordrhein-Westfalen 1997 (52 Professuren) wie schon 1987
                 (28 Professuren) der führende kommunikations- und
                 medienwissenschaftliche Standort. Während 1987 jedoch
                 noch Berlin (16 Professuren) an zweiter Stelle stand, wurde
                 es 1997 von Thüringen überrundet, wo zum Zeitpunkt der
                 Datenerhebung insgesamt 30 Stellen geplant und besetzt
                 waren (in Berlin waren es 19). Deutlich wird, dass sich im
                 Osten Deutschlands der Freistaat Sachsen und der
                 Freistaat Thüringen weit überdurchschnittlich stark für die
                 Kommunikations- und Medienwissenschaft engagieren (vgl.
                 Reimers u.a. 1999: 3ff.), während Sachsen-Anhalt und
                 Mecklenburg-Vorpommern auf der Landkarte
                 kommunikations- und medienwissenschaftlicher Standorte
                 verhältnismäßig selten vertreten sind.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

                 Tabelle 1

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                 Die Tabelle darf nicht unbefugt kopiert oder weiterverwandt
                 werden

                 Mit den neuen Medienstudiengängen können einige
                 Universitäten nicht nur teilweise erhebliche Zuwächse an
                 Studentenzahlen verbuchen, die Angebote eignen sich
                 auch als Ausweis für die immer wieder geforderte
                 wissenschaftliche Profilbildung. An den Widmungen der
                 Professuren lässt sich erkennen, dass die Differenzierung
                 des Faches erst langsam voranschreitet. Dies gilt selbst
                 dann, wenn man zugesteht, dass bisweilen nicht die
                 Fachvertreter über diese Widmungen entschieden haben.7
                 Über die Hälfte der Stellen haben eine eher allgemeine
                 Widmung für Kommunikations- und Medienwissenschaft
                 oder Journalistik (vgl. Schaubild 4 unten). Deutlich von
                 diesen allgemeinen Widmungen abgrenzt sind die
                 Teilbereiche Visuelle Kommunikation (inklusive Bild- und
                 Filmwissenschaft) mit einem Anteil von rund 11 Prozent an
                 der Gesamtzahl der Professuren, Mediendesign (inklusive
                 Mediengestaltung) mit rund 9 Prozent, Multimedia (Neue
                 Medien, PC) mit rund 7 Prozent sowie Geschichte und
                 Ästhetik der Medien mit rund 6 Prozent. Die Teilgebiete
                 Medienrecht, Medienökonomie, Medienmanagement,
                 Medientechnik, Medienpädagogik und -psychologie,
                 Fachjournalismus sowie Professuren mit anders lautenden
                 Widmungen bleiben jeweils unter 5 Prozent.
 
 
 
 
 
 
 

                 Tabelle 2 gibt Auskunft darüber, wie weit sich die an den
                 Widmungen ablesbare Differenzierung des Faches in den
                 einzelnen Bundesländern niederschlägt. In Brandenburg
                 wurde nur eine von fünf und in Thüringen ein Viertel der
                 Professuren mit einer eher allgemeinen Widmung
                 vergeben. Dies deutet darauf hin, dass bei den neueren
                 Studiengängen im Osten - zumindest nominell -
                 Schwerpunkte gesetzt und speziellere Angebote
                 eingerichtet worden sind.
 

                 Tabelle 2

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                 1.2 Medienwandel und Medienkompetenz

                 Was sind die Gründe für diesen Boom? Zunächst werden
                 in der Medienpraxis je nach Branche unterschiedlich die
                 Bildungsfunktion und Leistungen des Faches - wenn auch
                 eher latent - anerkannt und genutzt (vgl. Bohrmann/Sülzer
                 1983; Hardt 1980; Glotz 1990; Kutsch/Pöttker 1997). Hinzu
                 kommen Veränderungen im Mediensystem (vgl. Saxer
                 1980; Bruns u.a. 1994; Saxer 1999), die zu einer erhöhten
                 Nachfrage nach Medienkompetenz an den Bildungsbereich
                 führen. Die Veränderungen in der Medienlandschaft
                 ergeben sich vor allem durch neue Informations- und
                 Kommunikationstechnologien. Sie lösen Innovationen in
                 der Wirtschaft aus. Gleichzeitig führen aber auch
                 ökonomische Beweggründe, kulturelle Bedürfnisse,
                 wissenschaftliche Erkenntnisse und politische
                 Entscheidungen zur Implementation dieser Technologien
                 (vgl. Beniger 1996; Brosius 1997; Bruns u.a. 1994). Medien
                 wachsen über ihre traditionellen Leistungen hinaus (vgl.
                 Luhmann 1997: 202ff., 1096ff.) und eröffnen u.a. neue
                 wirtschaftliche und kulturelle Gestaltungsspielräume (und
                 -zwänge) (vgl. Kaase/Neidhardt/Pfetsch 1997), auch im
                 Hinblick auf die Überschreitung nationaler Grenzen (vgl.
                 Blumler 1997; Kohring/Görke/Ruhrmann 1996). Diese
                 Entwicklungen vollziehen sich im Wechselspiel zwischen
                 Medienwandel und sozialem Wandel, wobei vier Faktoren
                 hervorzuheben sind (vgl. Ruhrmann/Nieland 1997: 23ff.;
                 Saxer 1999: 11f.):

                 Zunächst fällt die rasante Entwicklung einer technischen
                 Konvergenz im Sinne des "Verschmelzens" von
                 Informations-, Kommunikations- und Computertechnologie
                 ins Auge, die letztlich konstituierend für "Multimedia" ist.

                 Hinzu kommt das ökonomische Wachstumspotenzial, das
                 dem Multimediabereich zugeschrieben wird. Die
                 ökonomische Durchschlagskraft lässt sich an der
                 Entstehung neuartiger, marktumspannender strategischer
                 Allianzen und dem Aufbau umfassender Infrastrukturen
                 ablesen.

                 Unübersehbar wächst auch die "Eingriffstiefe" der Medien
                 in das kulturelle System moderner Gesellschaften.
                 Insbesondere die Möglichkeiten neuer Dienste und
                 interaktiver Formen des Arbeitens, Lernens und
                 Entspannens begründen einen zunehmenden
                 alltagsweltlichen Stellenwert der Orientierungs-, Bildungs-
                 und Unterhaltungsleistungen der Medien, insbesondere
                 des Fernsehens und immer mehr auch des Internets. Die
                 gesamte Bandbreite der Folgen und Perspektiven dieser
                 Entwicklung ist derzeit noch gar nicht vorhersehbar.

                 Schließlich bleiben die Medien ein wichtiger politischer
                 Faktor, der sich aus neuen Formen der Politikvermittlung,
                 etwa im Informations- und Unterhaltungsbereich des
                 Fernsehens und des Internets ergibt.

                 Diese Entwicklungen führen - unabhängig vom erreichten
                 Reflexionsstand der Kommunikations- und
                 Medienwissenschaft - im Ausbildungs- und
                 Bildungsbereich (vgl. hierzu Kap. 2.3) zu einer
                 umfassenden Nachfrage nach Medienkompetenz (vgl.
                 Aufenanger 1999; Hoffmann-Riem 1997; Initiativkreis
                 Bildung der Bertelsmann Stiftung 1999; Kirsch 1999).
                 Meistens wird Medienkompetenz verstanden als: Wissen
                 und Fertigkeiten bei der Inbetriebnahme und Bedienung
                 neuer Medien. Dies ist aber nur ein Teil von
                 edienkompetenz, obwohl der Begriff in der öffentlichen
                 Diskussion oft über Gebühr im Vordergrund steht.
                 Erforderlich sind nämlich zusätzlich auch - und hiermit ist
                 zentral der (universitäre) Bildungsbereich angesprochen -
                 Kenntnis und Bewertung der Entstehung und Folgen
                 neuer Medien, wie sie auch in den Debatten zur "Media
                 Literacy" angesprochen werden (vgl. Hobbs 1998).
                 Gefordert ist ein reflektiertes Verständnis des jeweiligen
                 Lehr- und Lernsystems und seiner Umwelten.
                 Angesprochen ist damit eine Selbstbestimmungs- und
                 Orientierungskompetenz (vgl. Ruhrmann 1997; Tapscott
                 1998). Ein weiteres Element von Medienkompetenz betrifft
                 die Fähigkeiten, mit Ressourcen effizient und effektiv
                 bestimmte Inhalte und Dienstleistungen zu erzeugen. Das
                 impliziert einen differenzierten Umgang mit dem
                 gesellschaftlich knappen Gut der Aufmerksamkeit (vgl.
                 Franck 1998). Hier geht es um Auswahl- und
                 Entscheidungskompetenzen (vgl. Dahm/Rössler/Schenk
                 1998). Medienkompetenz umfasst zudem die
                 systematische, kritische und verantwortungsbewusste
                 Reflexion der genutzten inhaltlichen Angebote und/oder
                 Dienste mithilfe analytischer Kriterien, die wesentlich von
                 der Wissenschaft zur Verfügung gestellt werden (vgl.
                Nieland/Ruhrmann 1995; Ruhrmann 1999). Hier spricht
                 man von einer konstruktiv-qualifikatorischen
                 Aneignungskompetenz (vgl. Weischenberg 1998). Ein
                 weiterer Bereich betrifft die Mediengestaltung als innovative
                 Veränderung und Weiterentwicklung sowie als Entdeckung
                 und kreative Überschreitung von Grenzen bestehender
                 Kommunikationsroutinen. Angesprochen ist hiermit die
                 Lern- und Gestaltungskompetenz (vgl. Meyrowitz 1998;
                 Zettl 1998), wie sie auch bei der Einführung und
                 Etablierung von Teleteaching gefordert ist (vgl. Ruhrmann
                 1999; Görke 1999; Dahnke 1999).

                 Man kann aus diesen Dimensionen von Medienkompetenz
                 zwei allgemeine Ziele für kommunikations- und
                 medienwissenschaftliche Studiengänge ableiten:
                 Medienkompetenz an der Hochschule impliziert eine
                 autonome, analytische und planerische Handhabung von
                 Medien und ihrer Verwendung als Instrumente der
                 öffentlichen Kommunikation. Zugleich geht es um das
                 Erlernen integrativer Fähig- und Fertigkeiten im Sinne von
                 Führungs- und Sozialkompetenzen, die es erlauben, in
                 einer komplexen Umwelt entscheidungs- und
                 kommunikationsfähig zu bleiben.
 

                 1.3 Folgen des Booms

                 Die Folgen des Booms betreffen die Universitäten direkt,
                 nämlich in Gestalt einer immensen Nachfrage der
                 Abiturienten nach dem Fach Kommunikations- und
                 Medienwissenschaft. Angesichts der beginnenden
                 Konkurrenz um Studierende und die damit verbundenen
                 Ressourcen sahen (vgl. Saxer 1980; Glotz 1990; Merten
                 1999: 447ff.) und sehen sich Universitäten dadurch in der
                 erfreulichen Situation, ohne großen Aufwand von
                 sachlichen, zeitlichen und mit durchaus überschaubaren
                 sozialen Ressourcen, etwa teilweise mit nur umgewidmeten
                 Personalressourcen, das öffentlichkeitswirksame Angebot
                 eines kommunikations- und medienwissenschaftlichen
                 Studienganges zu machen.8 Mit anderen Worten: Es
                 handelt sich um eine kostenneutrale Profilbildung von
                 Universitäten, aber auch von Ministerien, mit einem Fach,
                 dessen Image positiv besetzt ist.

                 Dass dabei auch Strukturprobleme bestehender
                 Fachbereiche, Fakultäten und Institute überdeckt wurden,
                 sollte nicht unerwähnt bleiben. Dazu zählt etwa die
                 mangelnde Studierendennachfrage in anderen Gebieten,
                 darunter nicht nur die klassischen "Orchideenfächer" aus
                 den Philologien mit einer problematischen
                 Dozenten-Studierende-Relation. Hinzu kommt das reale
                 und vermutete Fehlen von Berufschancen der Absolventen
                 "verwandter" Fächer wie etwa der Germanistik, Philosophie,
                 Pädagogik oder Soziologie. Ähnliches gilt auch für den
                 Umbau vorhandener sozialwissenschaftlicher Angebote
                 unter dem wohlklingenden Etikett "Kulturwissenschaft".
                 Summa summarum stellt sich der Eindruck ein, dass vor
                 allem fakultäts- und universitätsspezifische Besonderheiten
                 die Anlage, den Umfang und bisweilen sogar die Qualität
                 des Aufbaus neuer kommunikations- und
                 medienwissenschaftlicher Professuren, Lehrstühle, Institute
                 und Fakultäten begründeten. Der Einfluss von
                 Fachvertretern war hierbei recht unterschiedlich. Auch ist
                 es nicht immer dazu gekommen, anlässlich der Aufnahme
                 der ersten Studierenden eine konzeptgestützte und
                 -reflektierte Aufbauperspektive, ein Curriculum, eine
                 inhaltliche Definition fachlicher Kooperations- und
                 Überschneidungsbereiche (vgl. Bereich
                 Medienwissenschaft 1998: 24ff.) und damit abgestimmte
                 Studien- und Prüfungsordnungen zu entwickeln, zu
                 erproben und durchzusetzen.

                 In diesem Kontext fällt auf, dass je nach Bundesland und
                 Fachbezeichnung die Curricularnormwerte (CNW) der
                 Kapazitätsverordnung stark voneinander abweichen. Die
                 Werte reichen von CNW = 4,5 für einen Studiengang
                 "Medienkultur" (vgl. Gesetz- und Verordnungsblatt für das
                 Land Thüringen 1996, Nr. 8: 83) über den CNW = 3,0 für
                 das Magister-Hauptfach "Publizistik" in Rheinland-Pfalz
                 (vgl. Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land
                 Rheinland-Pfalz 1996: 233), aber auch in
                 Nordrhein-Westfalen oder Berlin bis hin zum CNW = 1,6 (!)
                 für das Magister-Hauptfach Medienwissenschaft im
                 Freistaat Thüringen (vgl. Gesetz- und Verordnungsblatt für
                 das Land Thüringen 1998, Nr. 9: 207), wobei ein höherer
                 Wert eine bessere Betreuungsrelation
                 Lehrpersonal/Studierende bedeutet.

                 Was wollen uns diese Zahlen sagen? Etwa dass die
                 methodische und theoretische Medienbildung, die
                 Studierende an deutschen Universitäten erfahren, an
                 einem medienwissenschaftlich bezeichneten Institut fast
                 doppelt so kostengünstig ist als an einem
                 publizistikwissenschaftlich genannten? Oder dass es
                 fraglos notwendig ist (vgl. Reimers u.a. 1999: 4ff.) und im
                 öffentlichen Interesse liegt, künstlerisch-kulturell
                 ausgerichteten Medienstudierenden ein dreimal besseres
                 Betreuungsverhältnis zukommen zu lassen als ihren
                 Kommilitonen in sozialwissenschaftlichen Studiengängen?

                 Fungiert also die Kommunikations- und
                 Medienwissenschaft im Osten als Discounter für neue
                 universitäre Studiengänge? Aus kommunikations- und
                 medienwissenschaftlicher Sicht bleibt eine solche
                 Bestands- und Defizitaufnahme so lange unvollständig, wie
                 man sich nicht (selbstkritisch) der Frage stellt, ob die
                 Kommunikations- und Medienwissenschaft rechtzeitig alles
                 getan hat, um bei der Gestaltung des Neu- und Umbau
                 des Fachs Gehör zu finden. Unserer Beobachtung nach
                 wären die Chancen hierfür zumindest besser gewesen,
                 wenn das Fach - und hiermit meinen wir in erster Linie die
                 Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, die lange
                 Zeit fast einen Alleinvertretungsanspruch auf den
                 Gegenstandsbereich "Medien" hatte und sich erst in den
                 letzten Jahren verstärkt mit einer selbstbewusster
                 auftretenden literatur- und kulturwissenschaftlichen
                 Medienwissenschaft auseinander setzen muss - nicht zu
                 saturiert gewesen wäre, sondern sich rechtzeitig innovativ
                 und risikofreudig positioniert hätte. Eine unverzichtbare
                 Bedingung der Möglichkeit einer solchen Positionierung
                 besteht in der kontinuierlichen Bereitschaft, die im Fach
                 vorfindbaren Ansätze zur Selbstreflexion aufzugreifen und
                 fortzuführen.
 

                 2     ZUM ENTWICKLUNGSSTAND
                 KOMMUNIKATIONS- UND
                 MEDIENWISSENSCHAFTLICHER
                 SELBSTREFLEXION

                 Die zweifellos erfreuliche Nachfrage nach
                 Medienkompetenz, die sich in der zuvor beschriebenen
                 Expansion kommunikations- und medienwissenschaftlicher
                 universitärer Studiengänge niederschlägt, kam für das
                 Fach selbst überraschend. Ein Grund ist in der gegenüber
                 anderen Fächern seit langem beklagten ungenügenden
                 Selbstorganisation und Außenwirkung zu sehen (vgl.
                 Koszyk 1962; Aufermann 1976; Saxer 1980; Glotz 1990;
                 Kutsch/Pöttker 1997; Saxer 1999). Schwerwiegender
                 scheint eine andere Vermutung, dass man nämlich diese
                 Entwicklung schlicht nicht antizipiert hat. Auf jeden Fall
                 fehlte eine systematisch und inhaltlich motivierte Reaktion
                 auf die Entwicklungstendenzen der so genannten
                 Mediengesellschaft. Der wesentliche Grund, diese
                 Passivität zu erklären, liegt unserer Ansicht nach in einer
                 zwar seit langem vorhandenen (vgl. Haacke 1960; Wagner
                 1965; Bohrmann/Sülzer 1973; Saxer 1980; Kutsch/Pöttker
                 1997), unseres Erachtens aber ungenügend
                 systematisierten Selbstreflexion des Faches über seinen
                 gesellschaftlichen Stellenwert, seinen
                 Forschungsgegenstand sowie sein Theorien- und
                 Methodeninventar. Dabei ist Selbstreflexion in der
                 Kommunikationswissenschaft nicht unbekannt. Sie
                 erfolgt(e) jedoch zumeist fragmentarisch und gestaltet(e)
                 sich somit als Ad-hoc-Operation, die eine weitgehend
                 empirische Forschungspraxis kaum irritiert hat. Im
                 Folgenden sollen die wichtigsten Ergebnisse dieser
                 Ad-hoc-Selbstreflexion beschrieben werden (2.1). In einem
                 zweiten Schritt beschäftigen wir uns mit den Folgen dieser
                 ungenügenden Selbstbeobachtung (2.2). Schließlich
                 diskutieren wir die Differenz von Bildung und Ausbildung
                 als wesentliches Kriterium für die Profilbildung der
                 Universitäten (2.3).
 

                 2.1 Selbstreflexion als Ad-hoc-Operation

                 In der bald 80-jährigen Fachgeschichte der
                 Kommunikations- oder Publizistik- oder Zeitungs- oder
                 neuerdings Kommunikations- und Medienwissenschaft war
                 Selbstreflexion zwar immer wieder Thema einzelner
                 Persönlichkeiten im Fach (vgl. Kutsch/ Pöttker 1997), aber
                 zu keinem Zeitpunkt ein wirklich zentrales und
                 kontinuierlich durch entsprechende Studien
                 durchgehaltenes bzw. systematisch betriebenes Anliegen
                 des Faches. Kennzeichnend sind fragmentarische
                 Positionierungen und Einzelreflexionen, die sich häufig aus
                 aktuellen, forschungspraktischen Erwägungen ergaben
                 (vgl. Maletzke 1987; Glotz 1990; Saxer 1999). Diese fügen
                 sich zu einem für das Fach insgesamt wenig
                 schmeichelhaften Gesamtbild zusammen. Im Folgenden
                 werden zunächst die wichtigsten Perspektiven dieser
                 "Ad-hoc-Selbstreflexion" beschrieben, bevor wir dann in
                 einem zweiten Schritt die blinden Flecken der
                 kommunikations- und medienwissenschaftlichen
                 Selbstbeobachtung zu systematisieren versuchen.

                 Versteht man den Begriff des Paradigmas im Kuhn'schen
                 Sinne, dann fehlt der Kommunikations- und
                 Medienwissenschaft gegenwärtig jener gut definierte
                 Bereich, in dem sich kommunikations- und
                 medienwissenschaftliche "Normalwissenschaft" ereignen
                 kann (vgl. Kuhn 21979). Ein Grund dafür ist darin zu
                 sehen, dass mehrere rivalisierende Paradigmen
                 unterschiedliche Arten von Fragen als legitim und
                 bedeutsam erachten (vgl. Schulz 1989). Die Funktion von
                 Revolution im Sinne Kuhns besteht bekanntlich darin, dass
                 sie der Wissenschaft ermöglicht, aus einem alten,
                 überkommenen Paradigma in ein anderes, besseres
                 auszubrechen. Vor der Revolution jedoch steht gewöhnlich
                 die Krise als "eine Periode ausgesprochener
                 fachwissenschaftlicher Unsicherheit" (Kuhn 21979: 80).9
                 Sollen die vorgestellten Beobachtungen nicht nur
                 oberflächlich als Zustandsbeschreibung der
                 Kommunikations- und Medienwissenschaft taugen, dann
                 müssen auch Indikatoren für eine derartige Krise gefunden
                 werden.

                 Bei der Suche nach derartigen Krisenindikatoren kommt
                 den Theorien, über die das Fach verfügt, aus zwei
                 Gründen ein zentraler Stellenwert zu. Theorien orientieren
                 die Forschungspraxis und sind konstitutiv für die Art und
                 Weise, wie Wirklichkeit und damit auch der
                 Forschungsgegenstand der Kommunikations- und
                 Medienwissenschaft wahrgenommen wird (vgl. z.B.
                 Chalmers 41999: 27-40). Eine Betrachtung des
                 Theorienfundus ist somit auch am ehesten geeignet, die
                 vielleicht übereilte Rede von einer Krise der
                 Kommunikations- und Medienwissenschaft zu überprüfen.

                 Näher am Problemstand operieren jene Beiträge zur
                 fachinternen Selbstreflexion und Selbstkritik, die - und dies
                 kann nur ein erster Schritt sein - riskieren, die
                 Einzelfallbefunde zum Entwicklungsstand kommunikations-
                 und medienwissenschaftlicher Theorien zu bündeln und
                 nach einem gemeinsamen Muster zu suchen. Bentele und
                 Beck (vgl. 1994: 42) haben dies getan, indem sie vorsichtig
                 argumentierend dem Fach einen Hang zu Theorien
                 mittlerer Reichweite bescheinigen. Schulz (1984: 213) geht
                 einen Schritt weiter, indem er formuliert: "Vieles, was sich in
                 der Kommunikationswissenschaft als 'Theorie', 'Ansatz'
                 oder gar 'Paradigma' geriert, ist nicht mehr als ein
                 Erklärungsbruchstück, im günstigen Fall eine gute Idee
                 oder Hypothese."10 Noch einen Schritt weiter gehen die
                 Herausgeber des >Journal of Communication<, die den
                 theoretischen Entwicklungsstand mit der Frage
                 konfrontieren, ob sich die Kommunikations- und
                 Medienwissenschaft auf Dauer gegen erklärungskräftige
                 und (selbst-)kritikfähige Nachbardisziplinen behaupten
                 kann, und diese Frage - ungewohnt provokant - abschlägig
                 beantworten: "Communication scholarship lacks
                 disciplinary status because it has no core of knowledge.
                 Thus institutional and scholary legitimacy remains a
                 chimera for the field." (zitiert nach Shepherd 1993: 83)11
                 Dies ist auch der Ansatzpunkt jener Versuche, den
                 Disziplinstatus der Kommunikations- und
                 Medienwissenschaft über eine Definition des
                 Forschungsgegenstandes zu festigen (vgl. Saxer 1980;
                 Görke/Kohring 1996, 1997; Saxer 1999;
                 Theis-Berglmair/Kohring 2000). Anders schließlich
                 argumentieren die Herausgeber eines "Kursbuch
                 Medienkultur": "Das doppelsinnige Medien-Werden von
                 Apparaten, Techniken, Symbolen und Institutionen, das
                 nicht von vornherein präjudizierbar ist und sich von Fall zu
                 Fall auf je unterschiedliche Weise aus einem Gefüge aus
                 heterogenen Bedingungen und Elementen vollzieht,
                 eröffnet eine medienkulturelle Perspektive im engeren
                 Sinne und führt die Medienwissenschaft aus den
                 Monopolen von Philologie, Technikgeschichte oder
                 Kommunikationswissenschaft heraus" (Engell/Vogl 1999:
                 10).

                 Diese Versuche allein, und seien sie noch so begründet
                 und berechtigt, können eine breite, fachinterne Diskussion
                 um Forschungsgegenstand und Theorien- sowie
                 Methodenfundus der Kommunikations- und
                 Medienwissenschaft nicht ersetzen. Sie fungieren als
                 Impulsgeber - das Fach muss aber auch bereit sein, diese
                 Impulse aufzugreifen.12
 

                 2.2 Die blinden Flecken der Selbstreflexion

                 Worin bestehen die Folgen, sozusagen die blinden Flecken
                 einer kommunikations- und medienwissenschaftlichen
                 Selbstreflexion, die sich aufgrund mangelnder Kontinuität
                 nicht fachübergreifend etablieren konnte? Wir versuchen,
                 diese Folgen zu beschreiben und gleich im Anschluss
                 Konsequenzen abzuleiten.

                 Diese Konsequenzen orientieren sich an der Überzeugung,
                 dass die Funktion der universitären Kommunikations- und
                 Medienwissenschaft primär in der Bildung der
                 Mediengesellschaft und damit im Zurverfügungstellen von
                 Reflexions-, Regel- und Orientierungswissen liegt. Mit
                 dieser Positionierung verbunden ist auch die - konstruktive
                 - Abgrenzung gegenüber den Fachhochschulen und
                 anderen universitären Fächern.

                 An dieser Stelle ist zu betonen, dass es in der Geschichte
                 der Kommunikations- und Medienwissenschaft
                 (unabhängig von ihrer jeweiligen Namensgebung) schon
                 viele wichtige "Wegbereitungen" gegeben hat. Das Fach
                 fängt also nicht beim Punkt Null an. Dennoch hat es sich
                 mit der Kritik auseinander zu setzen, dass es bislang
                 (immer) noch nicht zu einer systematischen Einheit
                 gefunden hat. Pointiert ausgedrückt: Die Kommunikations-
                 und Medienwissenschaft spricht von sich als Fach, aber sie
                 versteht sich - im Sinne des Wortes - noch nicht als Fach.
                 Wir behaupten, dass der Zustand dieses Faches,
                 insbesondere seines theoretischen Fundus und
                 methodischen Instrumentariums dringend einer
                 systematischen und kontinuierlichen Selbstreflexion bedarf.
                 Wir nehmen ferner an, dass die ungenügende Reaktion auf
                 das expandierende gesellschaftliche Bedürfnis nach
                 Medienkompetenz auch auf das Ausbleiben dieser
                 Selbstreflexion zurückzuführen ist. Und wir gehen davon
                 aus, dass, wer sich der Selbstreflexion entzieht, die
                 Zukunftsfähigkeit des Fachs aufs Spiel setzt.
 

                 2.2.1 Fehlende Begriffsarbeit

                 Schulz (1984: 213) hat die
                 kommunikationswissenschaftlichen Theoriebestände als
                 Erklärungsbruchstücke bezeichnet. Dieser Feststellung
                 kann insoweit nicht widersprochen werden, als eine
                 systematische, kontinuierliche und miteinander vernetzte
                 Ausarbeitung und Operationalisierung wichtiger
                 kommunikations- und medienwissenschaftlicher Begriffe
                 noch immer nicht abgeschlossen ist. Neben dem Begriff
                 Kommunikation (vgl. hierzu bereits Merten 1977) ist es vor
                 allem die Medienbegrifflichkeit, die dieses Defizit
                 veranschaulichen kann. Eine "Phönixierung einer
                 allgemeinen, empirisch brauchbaren Medientheorie" (Rühl
                 1993: 80) scheitert vor allem an dem Begriffsartefakt der so
                 genannten Massenmedien (vgl. Görke/Kohring 1997).
                 Ferner ist sie auch deshalb nicht in Sicht, weil unter dem
                 "Medien-Label" eine ganze Reihe höchst unterschiedlicher
                 Beobachtungsgegenstände subsumiert werden (vgl.
                 Schmidt 1994b: 83ff.; Rühl 1999: 69ff.; Engell/Vogl 1999).
                 Dazu zählen u.a. semiotische Kommunikationsinstrumente,
                 Materialien der Kommunikation, Sinnmedien, technische
                 Mittel und soziale Organisationen zur Herstellung und
                 Verbreitung von Medienangeboten und schließlich die
                 Medienangebote selbst. Sie ist vor allem auch deshalb
                 nicht in Sicht, weil - statt auf Systematisierung zu setzen -
                 zu lange darauf vertraut wurde, dass "erst das komplizierte
                 Zusammenspiel dieser verschiedenen Faktoren [...] zu dem
                 [führt], was man heute 'moderne Massenmedien' nennt
                 und was als Massenmediensystem einer Gesellschaft in
                 Teilbereiche wie Print, Film, Fernsehen, Hörfunk,
                 elektronische Medien usw. unterteilt werden kann."
                 (Schmidt 1996: 3; kursiv im Orig.)

                 Zentrale Bedingung für die Identifizierung der universitären
                 Kommunikations- und Medienwissenschaft ist die
                 eindeutige Bezeichnung ihres Gegenstandsbereichs. Die
                 inflationäre Verwendung des Medienbegriffs trägt, soviel
                 steht fest, nur zu einer Aufweichung der Fachgrenzen bei.
                 Auch der Kommunikationsbegriff allein trägt nicht zu einer
                 eigenständigen Positionierung im universitären
                 Fächerkanon bei. Wie ein roter Faden zieht sich dagegen
                 der Begriff der Öffentlichkeit und der öffentlichen
                 Kommunikation durch die Fachgeschichte. Eine explizite
                 Auseinandersetzung mit diesem Begriff als Kernbegriff des
                 Fachs findet vermehrt in den letzten Jahren statt (vgl.
                 Theis-Berglmair/Kohring 2000). Oft genug hat man
                 allerdings auch den Eindruck, dass eine solche
                 theoretische Reflexion vermieden oder nicht für nötig
                 gehalten wird.

                 Als Konsequenz einer solchen Enthaltsamkeit steht kein
                 theoretisch begründeter Leitbegriff zur Verfügung.
                 Stattdessen fungiert allzuoft der Begriff "der"
                 "Massen"-"Medien" als Leitbegriff, mit der Folge, dass der
                 Gegenstandsbereich und damit auch
                 Zuständigkeitsbereich des Fachs seltsam diffus bleibt.
                 Demgegenüber sollte das Fach eindeutig den
                 gesellschaftlichen Problemlösungsbedarf identifizieren, für
                 dessen kontinuierliche Bearbeitung (wenn schon nicht
                 Lösung) es sich berufen fühlt. Hierzu zählt im Übrigen
                 auch das Selbstbewusstsein, praxologische
                 Problemsichten nicht schlicht zu übernehmen und sich so
                 kurzfristig gesellschaftlicher Akzeptanz zu vergewissern -
                 es muss vielmehr auch darum gehen, die Praxis mit
                 eigenen Ansichten zu irritieren und ihr solchermaßen
                 langfristige Orientierungshilfen anzubieten.
 

                 2.2.2 Fehlende Identität

                 Die Kritik, dass somit ausgerechnet bezüglich derjenigen
                 Begriffe, die heute weitgehend als disziplinäre Taufpaten
                 fungieren, nämlich: Kommunikation und Medien, eine
                 relativ große definitorische Beliebigkeit herrscht, ist mehr
                 als ein theoretisches Kopfspiel einzelner Fachvertreter.
                 Dieser Umstand hat beispielsweise dazu geführt, dass die
                 Kommunikations- und Medienwissenschaft heutzutage -
                 noch während in der Deutschen Gesellschaft für
                 Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (DGPuK)
                 darüber diskutiert wird, sich vom Begriff
                 Publizistikwissenschaft zu trennen - noch immer nicht die
                 Definitionsmacht gewonnen hat (vgl. Prakke 1964; Kieslich
                 1972; Saxer 1980; Merten 1999), wie seine Studiengänge
                 bezeichnet werden. Die Fachvertreter werden sich
                 jedenfalls weiterhin damit abzufinden haben, dass
                 wissenschaftspolitische Entscheidungsträger und/oder
                 unvermittelt eingesetzte Evaluationskommissionen kein
                 Problem damit haben und haben werden, demnächst im
                 Banne des "Mythos Postmoderne" (Saxer 2000: 85)
                 Studiengänge wie "transdisziplinäre
                 Kulturkommunikationswissenschaft" oder gar
                 "multidisziplinäre
                 Massenmedienkultur-Kommunikationswissenschaft" oder
                 noch elaborierteren "eleganten Unsinn" (Sokal/ Bricmont
                 1999) zu schaffen bzw. gutzuheißen. Wer sollte sich auch
                 dagegen wehren und wenn, auf welcher Basis und mit
                 welchen Argumenten? Fragwürdig erscheint im Übrigen
                 auch die Einheit vortäuschende Rede von "dem" Fach. Sie
                 wird umso problematischer, als mit der fallweisen
                 Integration kommunikations- und medienwissenschaftlicher
                 Theorie- und Methodenbestände sich die Identität des
                 Fachs schon wieder zu verändern beginnt (vgl. Saxer
                 1999). Umso dringender scheint es daher geboten, sich
                 reflexiv seiner Identität als Fach zu vergewissern.13

                 Identitätsbildung bedeutet auch, den verschiedenen
                 Interessengruppen in der Gesellschaft die
                 Zielvorstellungen des Fachs konkret zu vermitteln (vgl.
                 Brosius 1999: 5). Neben der Wissenschaftspolitik, den
                 öffentlichen Forschungsorganisationen und potenziellen
                 privaten Auftraggebern gehören zu diesen Zielgruppen
                 natürlich auch die Studierenden selbst. Angestrebt werden
                 sollte ein übergreifendes Generalcurriculum des Faches,
                 das in den jeweiligen Studiengängen durch spezifische
                 Curricula, gegebenenfalls im Dialog mit anspruchsvollen
                 didaktischen Initiativen (vgl. Hopmann/Riquarts 1995;
                 Gundem/Hopmann 1998), ergänzt wird. Identität heißt nicht
                 zuletzt auch - wahrnehmbare - Einheitlichkeit. In diesem
                 Sinne ist eine einheitliche Namensgebung für alle
                 kommunikations- und medienwissenschaftlichen
                 Studiengänge, die in der DGPuK ja auch schon diskutiert
                 wird, als ein wichtiger Schritt in Richtung Identität des
                 Faches anzusehen.
 

                 2.2.3 Fehlendes Immunsystem

                 Diffuse Begrifflichkeiten werden zur primären
                 Sollbruchstelle kommunikations- und
                 medienwissenschaftlicher Theorien. Fehlende Kontinuität
                 der Selbstreflexion perpetuiert diese Risiken. Mehr noch:
                 Sie macht es dem Fach unmöglich, angesichts einer immer
                 noch steigenden Nachfrage eine durchaus wünschbare
                 Zuwanderung in die Kommunikations- und
                 Medienwissenschaft aktiv zu gestalten. Es fehlt ganz
                 schlicht an eindeutigen Kriterien, die besagen, was jemand
                 können und wissen muss, damit er oder sie sich als
                 Kommunikations- und Medienwissenschaftler/in
                 bezeichnen kann. Die Frage, ob sich die Kommunikations-
                 und Medienwissenschaft als Einheits- oder Integrationsfach
                 (vgl. Brosius 1994, 1998) begreifen soll, stellt sich mit
                 anderen Worten erst dann, wenn das begriffliche,
                 theoretische und methodische "Immunsystem" des Fachs
                 ausgebildet wird. Die Funktion dieses Immunsystems ist
                 wohlgemerkt nicht die Abschottung gegen neue Impulse.
                 Mit Feyerabend (1978) geht es hierbei vielmehr um die im
                 Fachinteresse notwendige Unterscheidung zwischen
                 seriöser Kommunikations- und Medienwissenschaft und
                 Cranktum.14

                 Je weiter die theoretische, methodische und
                 organisatorische Identitätsbildung fortschreitet, desto mehr
                 bildet sich auch der Disziplinstatus des Faches aus. Um es
                 noch einmal zu wiederholen: Nur Disziplinarität ermöglicht
                 Interdisziplinarität oder gar Transdisziplinarität. Auf der
                 anderen Seite ist der Wert interdisziplinärer Arbeit höher als
                 je zuvor: Die Spezialisierung von Fachgebieten macht ihre
                 zeitweilige, problembezogene Integration immer wieder
                 notwendig, wie auch die Naturwissenschaften vorführen.
                 Hierfür braucht es aber Kriterien der interdisziplinären
                 Zusammenarbeit - sowohl auf theoretischem als auch auf
                 methodischem Gebiet. Zusammenarbeit braucht
                 Bedingungen und Regeln, und dies gilt gerade auch dann,
                 wenn man Interdisziplinarität zwischen Sozial-,
                 Kommunikations-, Medien-, Kultur- und Kunstwissenschaft
                 institutionalisieren will (vgl. Bereich Medienwissenschaft
                 1998: 17; Sierek 1998: 27ff.).
 

                 2.2.4 Fehlende Qualitätskontrolle

                 Dort, wo es an der Kontinuität von Begriffsklarheit, Identität
                 und Disziplinstatus (ohne den es nun einmal keine Inter-
                 und erst recht keine Transdisziplinarität geben kann)
                 mangelt, verwundert es nicht, dass zumeist
                 Kontrollmechanismen und -strukturen zu deren Kontrolle
                 fehlen. Die eigentliche Qualitätskontrolle, z.B. durch eine
                 Ausweitung von Reviewverfahren für
                 Fachzeitschriftenbeiträge und auch Buchpublikationen in
                 den (so genannten) Fachverlagen, ist dabei fast das
                 geringere Problem. Letztlich ist das Fehlen einer
                 systematischen Qualitätskontrolle darauf zurückzuführen,
                 dass noch gar keine allgemein verbindlichen
                 Qualitätsstandards entwickelt und konsentiert wurden (vgl.
                 Bentele 1999; Brosius 1999; Hohlfeld/Neuberger 1998;
                 Merten 1999; Wirth 2000a). Dies betrifft neben der Theorie
                 ganz wesentlich auch die Prüfkriterien für Methoden.

                 Die Kommunikations- und Medienwissenschaft sollte dabei
                 die Vielfalt ihrer Instrumente zur Beobachtung von
                 gesellschaftlicher Kommunikation und der
                 Medienentwicklung als Vorteil begreifen. Die methodischen
                 Kriterien dieser Beobachtungen, d.h. der Art und Weise,
                 wie Erfahrungen gewonnen werden, müssen aber gerade
                 deshalb für andere wissenschaftliche Beobachter inhaltlich
                 nachvollziehbar zur Verfügung gestellt werden. In diesem
                 Wissenschaftsverständnis liegt ein wichtiges
                 Abgrenzungskriterium der Kommunikations- und
                 Medienwissenschaft zu einer künstlerischen oder
                 essayistischen Betrachtungs- und Ausdrucksweise, die ihre
                 Gegenstände bevorzugt als Singularitäten präsentiert. Zu
                 diesem Verständnis gehört auch, dass der generelle
                 Anspruch wissenschaftlicher Arbeit auf Beschreibung und
                 Erklärung (hier: der vermittelten öffentlichen
                 Kommunikation in modernen Gesellschaften) und darüber
                 hinaus auch Orientierung dieser Gesellschaften durch
                 Bildung (vgl. Herrmann 1999a) und durch Prognosen zu
                 ihrer Entwicklung als ein zentrales Qualitätskriterium (und
                 damit wiederum auch Identitätskriterium) gelten muss.15
 

                 2.3 Zeit zu handeln: Zum Unterschied zwischen Bildung
                 und Ausbildung

                 "So what?" könnte nun die Reaktion auf den Katalog
                 kritischer Anmerkungen lauten. Schließlich hat das Fach
                 die letzten Jahrzehnte recht ordentlich überstanden und
                 kann sich nun sogar einer erhöhten Nachfrage erfreuen.
                 Warum also überhaupt über mögliche Kursänderungen
                 sinnieren?

                 So erfreulich das Interesse an der Kommunikations- und
                 Medienwissenschaft ausfällt, so wenig darf man sich
                 darüber Illusionen machen, dass man es hier mit einer vom
                 Fach mitgesteuerten Entwicklung zu tun habe. Zugleich
                 wurden und werden aber strukturelle, inhaltliche und vor
                 allem personelle Entscheidungen gefällt, die für die
                 nächsten zwanzig Jahre verbindlich sein werden. Vor
                 diesem Hintergrund erinnert das Fach bisweilen an einen
                 Bauherrn, der erst nach dem Hausbau die Pläne des
                 Architekten kommentiert. Doch nach jedem Sommer folgt
                 ein Herbst. Für die universitäre Kommunikations- und
                 Medienwissenschaft könnte dieser Klimawandel (der nun
                 wahrlich nichts Überraschendes an sich hat) durch eine der
                 auffälligsten Entwicklungen in der Hochschullandschaft
                 bereits eingeleitet worden sein, den deutlichen Trend vom
                 kommunikations- bzw. medienwissenschaftlichen Studium
                 hin zur Ausbildung für Medienberufe. Dieser praxologische
                 Trend wirkt sich zunehmend auf die entsprechenden
                 Studiengänge an den Universitäten aus. Ernsthaft genötigt,
                 sich in Bezug auf Fachhochschulen zu positionieren (vgl.
                 Laermann 1997: 77ff.), muss die Universität bzw. die
                 universitäre Kommunikations- und Medienwissenschaft
                 erkennen: Das Reden von "dem" einen Fach verdeckte
                 bislang, dass eine gemeinsame Identität nur in diffusen
                 Ansätzen existiert, zumindest aber nicht gegenüber der
                 gesellschaftlichen Umwelt offensiv vertreten wird. Die
                 verhängnisvolle Konsequenz des oben erläuterten
                 Nachholbedarfes an theoretischer Reflexion und
                 Begriffsbildung könnte also in der Nichtunterscheidbarkeit
                 der wissenschaftlichen Bildung der Mediengesellschaft von
                 der praktischen Ausbildung für die Mediengesellschaft
                 liegen (vgl. Herrmann 1999b: 9ff.). Während das
                 praxologische Profil der Medienausbildung an
                 Fachhochschulen fest umrissen und gesellschaftlich
                 akzeptiert scheint, kann dies für die universitäre Bildung
                 nicht ohne weiteres behauptet werden. Dass auch die
                 Universität letztlich berufsfeldorientiert bildet, hat unstrittig
                 zu sein. Aber sie tut es nicht nur und vor allem auf eine
                 andere Weise als die Fachhochschulen. Dies vor allem den
                 politischen und wirtschaftlichen Akteuren zu verdeutlichen,
                 ist Pflicht, nicht Kür.16 Zugleich ist es auch notwendig,
                 nicht auf jede der kurzfristig ausgerichteten
                 Begehrlichkeiten der Praxis einzugehen und jedem
                 gesellschaftlichen Medien- und Modetrend
                 hinterherzujagen.

                 Wer treibt, bleibt - irgendwann irgendwo hängen. Es
                 scheint eine Wechselwirkung von ungenügender Reflexion
                 und ungeklärten Qualitätsstandards einerseits und einer
                 gewissen, zu Trägheit neigenden Selbstzufriedenheit
                 andererseits zu geben. "Das" Fach - aber wer wagte es,
                 dieses in einem Satz zu definieren? - beruft sich auf seinen
                 vordergründigen Erfolg. Es weitet sich aus - und nennt dies
                 Integration - verliert aber auf diese Weise zunehmend an
                 Konsistenz und Kontur. Dabei ist die (zu begrüßende)
                 Konkurrenz durch die Fachhochschulen nur ein Argument,
                 sich seiner eigenen Zuständigkeit zu vergewissern. Auch
                 innerhalb der Universität "lauert" nämlich die Konkurrenz -
                 nicht zuletzt angesichts knapper werdender Ressourcen
                 entdecken viele Fächer ihre Zuständigkeit für "die Medien",
                 so bekanntermaßen die Literaturwissenschaften, die
                 Psychologie (vgl. Winterhoff-Spurk 1999: 23ff.) oder
                 neuerdings die Kulturwissenschaften (vgl. Engell/Vogl
                 1999).

                 Konkurrenz allein ist ein notwendiger, aber kein
                 hinreichender Grund, eine universitäre Kommunikations-
                 und Medienwissenschaft stärker zu konturieren.
                 Strategisch viel weitergehend ist der Anspruch, den Nutzen
                 des Fachs für die Gesellschaft zu verdeutlichen. Eine
                 positive, auf die eigenen Stärken verweisende Abgrenzung
                 und Positionierung ist allemal tragfähiger als eine negative
                 und damit defensive Abgrenzung und
                 Status-quo-Behauptung. Die Konkurrenz lässt sich
                 demzufolge auch als Vorteil begreifen: Sie zwingt dazu,
                 sich selbst zu positionieren. So gesehen ist die universitäre
                 Kommunikations- und Medienwissenschaft gut beraten,
                 den schwierigeren Weg einer theoretisch reflektierten
                 Selbstvergewisserung und selbstbewussten Grenzziehung
                 (nicht: Abschottung) zu gehen.

                 Worin aber liegt der Nutzen der universitären
                 Kommunikations- und Medienwissenschaft für ihre
                 gesellschaftliche Umwelt, oder anders ausgedrückt: Was
                 bedeutet Bildung der Mediengesellschaft in Abgrenzung
                 zur und Ergänzung der Ausbildung für die
                 Mediengesellschaft? Während Ausbildung auf situatives
                 Handlungswissen konzentriert ist, verweist Bildung auf
                 Komplexität reduzierendes Reflexions- und Regelwissen.
                 Die Bedeutung einer solchen Bildungsfunktion liegt
                 angesichts einer Gesellschaft, die wegen ihrer
                 Pluralisierung und arbeitsteiligen Spezialisierung
                 zunehmend auf öffentliche Kommunikation und deren
                 mediale Vermittlung angewiesen ist, geradezu auf der
                 Hand. Reflexions- und Regelwissen ermöglicht es dem
                 Handelnden, die überbordende Vielfalt des Phänomens
                 "öffentliche Kommunikation" auf die Einheit ihrer
                 funktionalen Basismechanismen zurückzuführen. Bildung
                 vermittelt aber nicht nur diese Orientierung, sondern
                 versetzt den Gebildeten darüber hinaus theoretisch und
                 methodisch in die Lage, das erworbene
                 Orientierungswissen immer wieder eigenständig auf den
                 neuesten Stand zu bringen. Der Begriff der Bildung
                 beinhaltet somit Orientierung und die (erlernbare) Fertigkeit
                 zur Selbstorientierung (vgl. Herrmann 1999a).

                 In einer Gesellschaft, deren Einheit vor allem in ihrer
                 Vielfalt zu suchen ist und deren Kontinuität vor allem in
                 ihrer Wandelbarkeit liegt, verändert sich auch das
                 Verhältnis von Bildung und Ausbildung. Während die
                 Ausbildung auch in den Medienberufen tendenziell immer
                 spezialisierter erfolgen muss, muss die Bildung gerade
                 diese Spezialisierung wieder in ihrem gesellschaftlichen
                 Orientierungswissen auffangen und nach dem (immer
                 noch) Gemeinsamen suchen. Von daher macht eine
                 Arbeitsteilung zwischen Fachhochschule und Universität
                 Sinn: Würde die Universität auf jede neue Tendenz am
                 Arbeitsmarkt mit neuen Ausbildungsangeboten reagieren
                 müssen, könnte sie ihrer primären Aufgabe der
                 Generierung von Bildung, die zwangsläufig
                 zeitaufwendig(er) ist, nicht mehr nachkommen. Umgekehrt
                 sind die Fachhochschulen, wenn sie für Medienberufe
                 ausbilden, zentral auf aktualisiertes Reflexionswissen von
                 der universitären Kommunikations- und
                 Medienwissenschaft angewiesen: Selbst haben
                 Fachhochschulen gar nicht die Ressourcen, dieses
                 Wissen, das sie zu ihrer Ausbildung benötigen, zu
                 generieren, ja sie hätten noch nicht einmal die Gewissheit,
                 dass ihr Ausbildungsangebot gesellschaftlich überhaupt
                 Sinn macht.

                 Die universitäre Kommunikations- und Medienwissenschaft
                 hat damit etwas zu bieten, was kein anderer
                 gesellschaftlicher Akteur vorzuweisen hat (vgl. Saxer 1999;
                 Theis-Berglmair/Kohring 2000). Auf diese spezifische
                 Kompetenz sollte sie sich konzentrieren. In die
                 (aussichtslose) Konkurrenz zur Ausbildungskompetenz der
                 Fachhochschulen sollte sie sich nicht begeben: Je mehr
                 die Universität nämlich ausbildet, desto weniger kann sie
                 bilden - mit der Konsequenz eines sinkenden
                 Nutzeneffekts für die Gesellschaft. Schon heute ist es
                 schwieriger geworden, den Nutzen von universitärer
                 Bildung verständlich zu machen.17 Wenn sich
                 Universitäten in dieser Situation dazu entscheiden, ihr
                 Angebot zu verwässern - also weniger Ressourcen in ihre
                 spezifische Kompetenz investieren -, werden sie ihre
                 gesellschaftliche Umwelt irgendwann nicht mehr von
                 diesem Nutzen überzeugen können.
 

                 3 BLICK NACH VORN

                 Die Kommunikations- und Medienwissenschaft boomt, und
                 ihre Vertreter und Vertreterinnen können erfreulicherweise
                 wohl auch für die nächste Zukunft auf Wachstum setzen.
                 Wie unsere Erhebung zeigt, hat die Zahl der besetzten
                 Professuren innerhalb von zehn Jahren - von 1987 bis 1997
                 - deutlich zugenommen, und es wird keine weiteren zehn
                 Jahre dauern, bis sie sich im Vergleich zu 1987 mehr als
                 verdoppelt haben wird. In dieser noch offenen Entwicklung
                 liegt die Chance für die Kommunikations- und
                 Medienwissenschaft, Einfluss zu nehmen und zu
                 gestalten.

                 Die jetzige Selbstreflexion ist begrüßenswert, aber sie hätte
                 früher auf Dauer gestellt werden müssen: Das Fach muss
                 aus dem stets situativen Reagieren heraus und selbst
                 Motor einer Entwicklung werden, die ja noch immer
                 andauert. Wir haben hierfür Schritte benannt, die die
                 Kommunikations- und Medienwissenschaft unserer Ansicht
                 nach auf diesem Weg zurückzulegen hat. Wir haben
                 zudem argumentiert, dass die universitäre
                 Kommunikations- und Medienwissenschaft - mehr denn
                 zuvor - eine hohe gesellschaftliche Relevanz aufweist.
                 Damit sollte deutlich geworden sein, dass der Blick nach
                 vorn geht - Kritik (die immer auch Selbstkritik ist) soll dazu
                 beitragen, den zukünftigen Weg nicht nur anders, sondern
                 in mancher Hinsicht auch erfolgreicher zu beschreiten. Dies
                 geht nur vereint und im ständigen Austausch der
                 Fachvertreter und -vertreterinnen der meistens noch
                 getrennt auftretendenKommunikationswissenschaft und
                 Medienwissenschaft. Die erste wissenschaftliche Tagung
                 der kommunikations- und medienwissenschaftlichen
                 Studiengänge des Freistaates Thüringen im Dezember
                 1999 hat nicht nur gezeigt, dass dieser Austausch noch
                 geübt werden muss - sie hat vor allem auch gezeigt (der
                 Blick geht nach vorn), dass es erkennbare
                 Berührungspunkte und Übereinstimmungen zwischen der
                 früheren Publizistik- und Kommunikationswissenschaft und
                 der Medienwissenschaft gibt. Wir haben versucht
                 darzulegen, dass das Fach nicht daran vorbeikommt, an
                 dieser Integration weiterzuarbeiten, wobei Konflikten nicht
                 aus dem Weg gegangen werden sollte. Identität gibt es
                 nicht zum Nulltarif - fehlt sie allerdings, werden die
                 Folgekosten höher sein.

                 So gesehen ist zu konstatieren, dass sich "im Osten"
                 tatsächlich etwas Neues herausbildet. Es ist keine
                 unangemessene Hoffnung, dass es lohnt, an dieser
                 Entwicklung weiterzuarbeiten.

                 ANMERKUNGEN

                 1

                 Nachfolgend verwenden wir die Bezeichnung
                 Kommunikations- und Medienwissenschaft pragmatisch für
                 eine sich in der Bundesrepublik durchsetzende und derzeit
                 i.S. von Saxer als "optimale Variante" (Saxer 1999: 4)
                 darstellbare Bezeichnung von Instituten oder Bereichen.
                 Diese hießen früher u.a. auch "Zeitungswissenschaft",
                 "Publizistikwissenschaft" und
                 "Kommunikationswissenschaft" bzw. u.a.
                 "Literaturwissenschaft", "Germanistik", "Linguistik",
                 "Filmwissenschaft" und "Theaterwissenschaft". Sie weisen
                 das gemeinsame "Materialobjekt" (Technische
                 Verbreitungs-)Medien auf (vgl. Wagner 1965; Aufermann
                 1976; Bohrmann/Sülzer 1973: 84ff., 93ff.; Saxer 1980;
                 Leonhard u.a. 1999). Die Debatte über die
                 unterschiedlichen "Formalobjekte" (vgl. Saxer 1999: 4f.)
                 wird hier allerdings wesentlich aus publizistik-,
                 kommunikations-, journalismuswissenschaftlicher sowie
                 sozialwissenschaftlicher Sicht behandelt (vgl. Kieslich
                 1972; Saxer 1980: 531ff.; Rühl 1985: 241; Glotz 1990;
                 Weischenberg 1994; McQuail 1994: 61ff.; Merten 1999:
                 424-481).

                 2

                 Unter intern motivierten Diskursen verstehen wir von
                 Wissenschaftlern und ihren Disziplinen bzw. von den
                 einzelnen Fachgesellschaften selbst initiierte oder
                 zumindest eigenständig fortgeführte Debatten über das
                 historisch gewachsene Selbstverständnis, über
                 Fachidentität, Fachbezeichnung und Fachgrenzen (vgl.
                 bereits Haacke 1960; Koszyk 1962; Dovifat 1964; Eberhard
                 1964; Prakke 1964; Stern-Rubarth 1965; Roegele 1966;
                 Kieslich 1972; Aufermann 1976; Bohrmann/Sülzer 1973:
                 83ff.; DGPuK 1999). Hinzu kommt die Diskussion über
                 Gegenstandsbereiche (vgl. Saxer 1980; Güdler 1996;
                 Bereich Medienwissenschaft 1998; DGPuK 1999; Saxer
                 1999; Theis-Berglmair/Kohring 2000), Begriffe und
                 Methoden (vgl. statt anderer Merten 1977; Saxer 1980;
                 Krippendorff 1993a; Saxer 1993; Schmidt 1994b;
                 Weischenberg 1995; Görke/Kohring 1997;
                 Scholl/Weischenberg 1998; Merten 1999; Wirth 2000a;
                 Jarren 2000; Saxer 2000) und Berufsfeldorientierung (vgl.
                 Knoll 1974/75; Hardt 1980; Glotz 1990; Neverla 1994:
                 271ff.; Weischenberg 1995: 376ff.). Zu den intern
                 motivierten Diskursen zählen wir auch Theorie und Praxis
                 der Hochschuldidaktik (vgl. Gundem/Hopmann 1998), die
                 wissenschaftlich gestützte Revision von Curricula,
                 wissenschaftlich motivierte und empirisch basierte
                 (Selbst-)Evaluationen des Fachpersonals, der
                 Institutsbezeichnungen (vgl. Kröll 1980; Westerbarkey
                 1980: 487ff.; Fröhlich/Holtz-Bacha 1993; Merten 1999:
                 447ff.; Wirth 2000b: 38-46), empirisch ermittelte Trends von
                 Publikationen über Theorien und Methoden (vgl. Haacke
                 u.a. 1976 und 1980; Merten/Ruhrmann 1982; Brosius 1994
                 und 1998; Hohlfeld/ Neuberger 1998 sowie Merten 1999:
                 452ff.) und insbesondere die wissenschaftspolitische
                 Positionierung des eigenen Fachs (vgl. Kieslich 1972, S.
                 69ff.; Bohrmann/Sülzer 1973: 87ff.; Glotz 1990; Saxer 1980;
                 Kutsch/Pöttker 1997; Bentele 1999; Bohrmann 1999;
                 Brosius 1999; Wirth 1999 sowie Brosius 2000).

                 3

                 Als extern motivierte Diskurse können solche bezeichnet
                 werden, auf die Fächer und ihre Wissenschaftler reagieren
                 (vgl. Glotz 1990: 249f.; Kutsch/Pöttker 1997: 17ff.). Dazu
                 zählen etwa die allgemeine hochschulpolitische Diskussion
                 und ministerielle Entscheidungen sowie die Vorgaben zur
                 Novellierung der Hochschulgesetze (vgl. Lange 1997).
                 Hinzu kommen zahlreiche Neugründungen, die
                 (Nicht-)Genehmigungen von Studien- oder
                 Promotionsordnungen sowie die angelaufenen
                 ministeriellen Evaluationen von Universitäten, Fakultäten
                 und Studiengängen (vgl. Herrmann 1999c; Reimers u.a.
                 1999), aber auch die Förderung neuer Lehr- und
                 Lernmethoden, wie beispielsweise Teleteaching (vgl.
                 Dahnke 1999). Als extern betrachten wir aber auch
                 universitäre Entscheidungen über Auf- und Ausbau,
                 "Modularisierung" sowie Umbau und Abbau von
                 Studienangeboten an einzelnen Fakultäten, Instituten oder
                 Forschungseinrichtungen.

                 4

                 Die Datenerhebung wurde zwischen September 1998 und
                 Januar 1999 durchgeführt. Hierzu wurden nicht nur
                 sämtliche Kultusministerien, sondern auch alle
                 statistischen Landesämter angeschrieben. Die erstaunlich
                 häufigen Abweichungen zwischen dem Zahlenmaterial, das
                 von diesen beiden Quellen geliefert wurde, machten es
                 notwendig, den Stand der Dinge bei vielen Universitäten
                 direkt zu recherchieren. Soweit sie zugänglich und weder
                 widersprüchlich noch offensichtlich veraltet waren, wurden
                 ausschließlich die behördlichen Informationen als
                 Grundlage für die Datenerhebung herangezogen. Auf
                 ähnliche Weise generiert auch Werner Wirth die Daten für
                 seine Studie "Ausstattung und Struktur
                 kommunikationswissenschaftlicher Institute", die er im
                 Auftrag der gleichlautenden Kommission der DGPuK
                 durchführte (Wirth 1999). Da der Rücklauf der verschickten
                 Fragebögen mit 50 Prozent relativ gering war, ergänzte
                 Wirth seine Ergebnisse mithilfe einer Internetrecherche. Die
                 Abweichungen bezüglich der Zahl der Institute zwischen
                 den beiden Erhebungen rühren von den verschiedenen
                 Grundgesamtheiten her: Während Wirth alle Einrichtungen
                 in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit einbezieht,
                 beschränken wir uns auf die deutschen. Ebenso bezieht
                 Wirth Fachhochschulen und Berufsakademien mit ein, wir
                 hingegen nur Universitäten, Technische Universitäten und
                 Künstlerische Hochschulen. Wirth erhebt
                 Organisationsstruktur, Studienangebot, Entwicklung und
                 Stand der personellen Ausstattung, Studienbedingungen
                 sowie technische und finanzielle Ausstattung der Institute.
                 Die vorliegende Studie konzentriert sich in erster Linie auf
                 den Ausbau des Faches, gemessen an den
                 Denominationen der eingerichteten Professuren. Zu
                 weiteren Datengrundlagen für das Fach Kommunikations-
                 und Medienwissenschaft siehe auch: Handbuch der
                 Universitäten und Fachhochschulen Deutschland,
                 Österreich, Schweiz (2000).

                 5

                 Die Wissenschaft und Forschung an Medienhochschulen
                 wurde im Rahmen einer von der Münchener Hochschule
                 für Fernsehen und Film (HFF) im Juli 1999 veranstalteten
                 Fachkonferenz in einer ersten Bestandsaufnahme
                 diskutiert. Das Programm weist Profilskizzen von
                 gestaltungs-, film-, kunst- und theaterwissenschaftlichen
                 Einrichtungen in Braunschweig, Hamburg, Hannover,
                 Karlsruhe, Köln, Mainz, München, Potsdam-Babelsberg
                 und Weimar aus. Die Dokumentation der Tagung ist für
                 den Herbst 2000 geplant.

                 6

                 Mittlerweile hat die Ernst-Moritz-Arndt-Universität
                 Greifswald einen derzeit sprachwissenschaftlich
                 ausgerichteten Studiengang
                 "Kommunikationswissenschaften" eingerichtet, vgl.
                 http://www.uni-greifswald.de/~dt_phil/.

                 7

                 Zur Analyse von Ausdifferenzierungsprozessen anhand von
                 Veröffentlichungen bzw. von Themen in der
                 Kommunikations- und Medienwissenschaft siehe die
                 grundlegende empirische Studie von Güdler 1996; als
                 konkrete Planungsgrundlage vgl. Bereich
                 Medienwissenschaft 1998. In der Evaluation der vier
                 Thüringer "Medien-Studiengänge" (vgl. Reimers u.a. 1999)
                 wird diese Problematik nicht eingehend analysiert.

                 8

                 Wirth (1999: 7) stellt zusammenfassend fest, "dass sich die
                 personalen, finanziellen und sachlichen Ressourcen der
                 Einrichtungen und Institute erheblich unterscheiden.
                 Nebenfachstudiengänge besitzen die schlechteste
                 Infrastruktur. Bei Vollzeitstudiengängen sind
                 gestalterisch-produzierende (Ästhetik, Mediendesign)
                 deutlich besser ausgestattet als geistes- und
                 sozialwissenschaftliche. Generell sind Diplom- besser als
                 Magisterstudiengänge versorgt."

                 9

                 Schließt man die Beobachtungen von Schulz (1989) freilich
                 nicht an Kuhn (21979), sondern an Feyerabend (61997) an,
                 dann wäre die Existenz rivalisierender Paradigmen nicht als
                 Krise zu lesen, sondern als Beleg für einen anarchischen
                 Erkenntnisprozess innerhalb der Kommunikations- und
                 Medienwissenschaft.

                 10

                 Ihre Anschaulichkeit verdanken die Theorieelemente nicht
                 selten dem Umstand, dass sie zentrale theoretische
                 Begriffe vorschnell mithilfe von Metaphern
                 operationalisieren (vgl. Köck 21988: 347ff.; Krippendorff
                 1994: 85ff.).

                 11

                 Zu weiteren Antworten auf die "Provokation" der >Journal
                 of Communication<-Herausgeber vgl. Dervin (1993);
                 Krippendorff (1993b); Mancini (1993).

                 12

                 Für diese Bereitschaft ist es vielleicht mehr als ein erstes
                 positives Signal, dass der erste Disserta-tionsförderpreis
                 der DGPuK an eine Arbeit (Halff 1997) verliehen wurde, die
                 einige der hier angesprochenen Schwächen
                 kommunikationswissenschaftlicher Theoriebildung pointiert
                 thematisiert.

                 13

                 Um die einzelnen Teilbereiche des Fachs zu identifizieren,
                 erscheint der Blick auf schon etablierte Strukturen Gewinn
                 bringend. Zu prüfen wären Fachgruppenbezeichnungen
                 bzw. Sektionen der Deutschen Gesellschaft für Publizistik-
                 und Kommunikationswissenschaft (DGPuK), der
                 Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) sowie
                 weiterer Nachbarwissenschaften namentlich der Semiotik,
                 der Linguistik, der Kunstwissenschaft und Kunstgeschichte
                 sowie der Literatur-, Film- und Theaterwissenschaft (vgl.
                 Leonhard u.a. 1999). Die vergleichende und
                 problemorientierte Zusammenschau dieser Teilbereiche
                 könnte einen weiteren heuristisch wertvollen Zugriff auf die
                 Beschreibung des Gegenstandsbereichs ermöglichen.

                 14

                 "Der Unterschied besteht nicht darin, dass die einen Dinge
                 vorschlagen, die einleuchten und Erfolg versprechen,
                 während die anderen nur unplausible, absurde, zum
                 Scheitern verurteilte Ideen zu bieten haben. [...] Nein - der
                 Unterschied zwischen Cranks und 'respektablen' Denkern
                 liegt in der Forschung, die nach Aufstellung eines
                 Standpunktes durchgeführt wird. Der erstere begnügt sich
                 gewöhnlich damit, den Standpunkt in seiner
                 ursprünglichen, unterentwickelten, metaphysischen Form
                 zu verteidigen; er ist nicht bereit, ihn in den Fällen auf die
                 Probe zu stellen, die seinem Gegner recht zu geben
                 scheinen, ja er sieht da oft überhaupt kein Problem. Es ist
                 diese weitere Untersuchung, mit ihren Einzelheiten, dem
                 Bewusstsein der Schwierigkeiten und des allgemeinen
                 Wissensstandes, der Berücksichtigung von Einwänden, die
                 den 'respektablen' Denker vom Crank unterscheidet, und
                 nicht der ursprüngliche Inhalt der vertretenen Theorie."
                 (Feyerabend 1978: 102-103)

                 15

                 Die Etablierung von wissenschaftlichen Qualitätsstandards
                 und deren Kriterien bedeutet auch die Bereitschaft, sich
                 und andere dieser Prüfung auszusetzen. Die explizite
                 Beachtung von Qualitätsindikatoren impliziert dabei keine
                 Reglementierung theoretischer Perspektivierung oder
                 empirischer Methoden, z.B. im Sinne der beliebten (oft
                 einander ausschließenden) Gegenüberstellung so
                 genannter quantitativer und so genannter qualitativer
                 empirischer Arbeit (vgl. Wirth 2000a: 6f.). Neben den
                 klassischen empirischen Methoden (Inhaltsanalyse,
                 Beobachtung, Befragung und Experiment) sind auch
                 historische (Medien- und
                 Kommunikationsgeschichtsschreibung) und
                 hermeneutisch-interpretative sowie diskursanalytische
                 Methoden und Verfahren zu etablieren (vgl. DGPuK 1999:
                 4). Anzustreben ist auch die Institutionalisierung des
                 theoretischen Diskurses: in Lehre und Forschung (vgl.
                 Schulz 1989; Krippendorff 1993a; Schmidt 1994a;
                 Luhmann 1997; Engell/Vogl 1999) - oft gilt die rein
                 theoretische Arbeit als exotisch, so als käme ihr kein
                 eigenständiger Wert zu.

                 16

                 Die DGPuK hat zu diesem Zweck 1998 einen Ausschuss
                 zum Selbstverständnis des Faches eingerichtet, dem einer
                 der Autoren (Matthias Kohring) angehörte. Die
                 Beratungsergebnisse wurden im April 1999 zum ersten Mal
                 einer fachinternen Öffentlichkeit präsentiert (vgl. Bentele
                 1999; siehe auch Theis-Berglmair/Kohring 2000).

                 17

                 Aber wer könnte zum Beispiel auf die zunehmende
                 Ökonomisierung medialer Inhalte ohne publizistische
                 Orientierung (vgl. Kiefer 1997) hinweisen, wenn nicht die
                 Kommunikations- und Medienwissenschaft? Und an wen
                 könnte dieser Problemlösungsbedarf sonst delegiert
                 werden?
 
 
 

                 LITERATUR
 

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                 Wirth, Werner (2000b): Wachstum bei zunehmender
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                 Zettl, Herbert (1998): Contextual media aesthetics as the
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