Mediengeschichte des 19. und frühen 20. Jahrhunderts (12)

Film (III)



1893 - 1895: Der Durchbruch der Kinematographie
 

Vorkinematographische Techniken
(Praxinoskop, Kinetoskop, Laterna Magica, Bioscop u.a.)

Ein deutscher Beitrag: Ottomar Anschütz

Parallel zu E. Muybridge (Zoopraxiskop):

Etienne-Jules Marey
seit 1888:
Reihenfotografien mit einem am Objektiv vorbeigeführten Filmstreifen,
bis zu 60 mal pro Sekunde belichtet („fotografische Flinte")

E.J. Mareys "Fallende Katze"

Falling cat, undated (80er Jahre des 19. Jhs.)
85mm film. 36 frames. Distance between ledge and floor
marked '28' in pen on first frame.
This was the gardener's cat at the Physiological Station run by Marey at the Bois
de Boulogne in Paris. Marey conclusively disproves Newton's first law of motion
which states that the direction of an object in motion can only be changed by an
external force. Cats - and rabbits - have the ability to twist round while falling
and so land on their feet.

Thomas Alva Edison greift dieses Prinzip auf:
die ersten brauchbaren Aufnahme- und Betrachtungsgeräte für "lebende Bilder":

Perforierte Zelluloidfilme, die ruckweise über ein Zahnrad am Objektiv vorbeigeführt und dabei belichtet werden: "Kinematograph"

Für die Wiedergabe ab 1892 das "Kinetoskop":
Guckkasten mit Linse und Kurbel (später mit Elektromotor):

1893 - das erste bekannte Filmstudio: Edisons „Black Maria", New Jersey

1894 - das erste Kino: Edisons „Picture House" in New York:

Der Produzent und sein Kino: eine Antizipation der späteren vertikalen Konzernstrukturen
(von den 20er Jahren an verfügen die großen amerikanischen Filmproduktionsgesellschaften über eigene Kinoketten)

Edisons Kinetoskop wird in England und Frankreich vorgestellt

Bilder

Edisons Biografie als Technikgeschichte


AUGUSTE (1862 - 1954) und LOUIS (1864 - 1948) LUMIERE

28. Dezember 1895:
Wahrscheinlich die erste kommerzielle Filmvorführung mit einem (Kamera-)Projektor für Zelluloid-Film (‘Cinématographe Lumière Frères')
Ort: Grand Café, Boulevard des Capucines in Paris

Private Vorstellung des Apparats bereits ab März 1895.
Konstruiert von Jules Carpentier (Angestellter bei Lumière):
 
 





Zahnradähnlicher Mechanismus für den perforierten 35mm-Filmstreifen, zwei Perforierungen für jedes Bildfeld
 
 

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Werbeplakat mit den Porträts der Brüder Lumière



Lumière und Skladanowsky

Die Filme der Pariser Premiere:

Arbeiter verlassen die Fabrik von Lumière

Einfahrt des Zuges in den Bahnhof von La Ciotat

Reaktionen in der Presse:

"Le Magasin pittoresque", Paris, 1.1.1896:

"Nehmen Sie von einer Szene aus dem Leben, so kompliziert sie auch sein mag, eine große Zahl von Photographien in unendlich kurzen Abständen auf; ziehen Sie von diesen Negativaufnahmen die gleiche Anzahl von Positiven; führen Sie diese auf einer Leinwand vor, indem Sie sie mit dem gleichen Zeitabstand wie bei der Aufnahme aufeinanderfolgen lassen, so erhalten Sie die streng getreue Reproduktion der intimsten Details der Ausgangsszene: die Bewegungen, die Gesten der Personen, das Zittern der Blätter, das Sprudeln des Wassers, die rhythmischen Wellenbewegungen des Meeres; das ist es, was der Cinématographe verwirklicht, dieser wunderbare Apparat, den zwei Franzosen gebaut haben, die Herren Lumière...
 Schließlich wird man es schaffen, die Farben zu photographieren und dem Cinématographe in Farbe einen Phonographen hinzuzufügen; so zusammengestellt wird die Bewegung und die Sprache - das heißt das Leben - mit rigoroser Genauigkeit gleichzeitig aufgenommen und wiedergegeben werden. An diesem Tag - und der wird schon morgen sein - wird uns die Wissenschaft die absolute Illusion vom Leben geben."
 

Die ersten Filmplakate
Abel Truchet, "L´arrivée d'un train en gare de La Ciotat" (Regie: Louis Lumière), Lithographie, Frankreich o.J., Coll. Musée de la Publicité, Paris

"Zwei Staffagefiguren nehmen stellvertretend für die noch Draussengebliebenen die 'lebenden Bilder' wahr. Kühn zieht sich das Schienenpaar über die Leinwand hinaus, verbindet das filmische Geschehen mit dem realen Vorführraum. Mit plakatgrafischen Mitteln definierte Truchet, was das Kino seither ausmacht: der kollektive, vom
frappierenden Realitätseffekt der bewegten Bilder immer aufs neue gebannte Blick." (Meret Ernst)
 
 

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Werbeplakat für den Kurzspielfilm L'arroseur arrosé