Mediengeschichte des 19. und frühen 20. Jahrhunderts (10)Film (I)
Kinematographie:
Gesamtheit der Verfahren zur Aufnahme und Wiedergabe bewegter Bilder, bei der in einer festgelegten zeitlichen Abfolge Bildreihen fotografisch aufgenommen bzw. zur Betrachtung in analoger Weise projiziert werden.
(Definition nach Information und Kommunikation in Geschichte und Gegenwart)Physiologische und technische Voraussetzungen des "filmischen Sehens"
- der stroboskopische Effekt
- die Nachbildwirkung auf der Netzhaut des Auges.Flimmerfeiheit:
Zur Aufnahme und Wiedergabe von Filmen ist eine Frequenz von 24 Bildern/sec. erforderlich.
Eine Flügelblende unterbricht bei der Projektion die Wiedergabe des Einzelbildes: dabei entstehen jeweils 2 gleiche Einzelbilder, so dass die "natürliche" (für die menschliche Netzhaut notwendige) Frequenz von 48 Bildern/sec. erreicht wird.Laterna Magica
Das "Ur-Medium" aller analogen visuellen Medien auf technischer Grundlage
(erstmals beschrieben von Athanasius Kircher im 17. Jahrhundert)Material zur Laterna magica - Schema/Funktionsweise/Projektionen:
Projektion, England, spätes 19.Jh.
W.H. Jacksons kolorierte Fotografien für die Laterna magica
"Filmische Präsentationseffekte" mit der Laterna magica (USA, Gebr. Bing)
Eine kurze Geschichte der Laterna magica
Prä-kinematographische Entwicklungen im 19. Jh.
1825:
Das Spielzeug „Thaumatrop"(vgl. Klaus Bartels, in: Segeberg, Die Mobilisierung des Sehens, S. 113 f.)
„Das Thaumatrop machte sich die zeitliche Differenz zwischen Reizerregung und visueller Kodierung, die Persistenz des Nachbildes bei fortwährender physiologischer Stimulierung, konstruktiv zunutze: Versetzt man eine beidseitig bemalte Scheibe in schnelle Rotation, so befindet sich ein auf der Vorderseite gemalter Vogel plötzlich in einem auf die Rückseite gemalten Käfig. Die beiden Nachbilder verschmelzen zu einem Bild. Eine derartige mechanische Zerhackung des Sehvorgangs in Einzelbilder und die anschließende Konstruktion eines statischen Bildes oder einer Bewegungsillusion, wie sie der Film nach demselben Prinzip erzeugt, konnte die Laterna magica nur in Verbindung mit selbständigen kleinen Bildmaschinen bewerkstelligen."
Das Prinzip des "Lebensrades"
Joseph Plateau
Simon v. Stampfer
William George HornerPhenakistiskop, Phantaskop, Stroboskop, „Kreisdreher"
Lebensrad: rotierende, mit einer Kurbel in Bewegung gesetzte Scheibe, die mit Bildern einzelner Bewegungsphasen bemalt ist; die Bilder werden durch ebenfalls rotierende Sehschlitze betrachtet.
Franz von Uchatius
erfindet 1845 eine Kombination von Laterna magica und verbessertem LebensradEadweard Muybridge
nimmt 1878 erstmals Reihenfotos von einem Pferd in Bewegung auf:
16 (später 24) Fotokameras in präzis berechneten Abständen; die Aufnahme wird durch einen Faden vom galoppierenden Pferd ausgelöst
Muybridge: „Zoopraxiskop" als ProjektionsgerätOttomar Anschütz
„Schnellseher": Guckkasten mit rotierender BildtrommelEtienne-Jules Marey
seit 1888: Reihenfotografien mit einem am Objektiv vorbeigeführten Filmstreifen,
bis zu 60 mal pro Sekunde belichtet („fotografische Flinte")Thomas Alva Edison
die ersten brauchbaren Aufnahme- und Betrachtungsgeräte für "lebende Bilder":
seitlich perforierte Zelluloidfilme, die ruckweise über ein Zahnrad am Objektiv vorbeigeführt und dabei belichtet werden.Für die Wiedergabe ab 1892 das „Kinetoskop": Guckkasten mit Linse und Kurbel (später mit Elektromotor): Bildbetrachter für jeweils eine Person.
Literatur:
Klaus Bartels: Proto-kinematographische Effekte der Laterna magica in Literatur und Theater des 18. Jahrhunderts
In: Segeberg, Harro (Hrg): Die Mobilisierung des Sehens, München 1996Zglinicki, Friedrich von: Der Weg des Films, Hildesheim/New York 1979