Mediengeschichte des 19. und frühen 20. Jahrhunderts (2)

(Printmedien II)


 

Ab 1835: Die weitere Entwicklung der gedruckten Medien 

1.  Neue Technologien

2.  Fortschreitende Kommerzialisierung

3.  Wachsende Bedeutung der Presse als Unterhaltungsmedium

4.  Ausdifferenzierung des Zeitschriftenangebots

5.  Verstärkte Bildungsoffensiven: Öffentliche Bibliotheken

6.  Beschleunigung der Nachrichtenverbreitung 


Zur Zeitgeschichte:

Preußen als stärkste Industriemacht in Deutschland: Textil- und Eisenproduktion, Übernahme der Mechanisierung aus England; Familienbetriebe wandeln sich zu Fabriken; Zunahme des Exporthandels - dennoch Rückständigkeit gegenüber den westlichen Nachbarn

Allmählicher Abbau der Zollschranken, zunächst innerhalb Preußens, dann in anderen dtsch. Staaten: 1834 Deutscher Zollverein unter preuß. Führung: Vormacht Preußens (1866 Krieg gegen Österreich:  Sicherung der Hegemonialstellung)

Straßenbau, Eisenbahnbau, Verbesserung der gesamten Infrastruktur

Politisch: Monopol des Adels in Militär und Verwaltung, enge Anbindung an die preuß. Krone; weitsichtige Vertreter des Adels (Frhr. vom Stein) fördern den Gedanken der Verfassung („konstitutionelle Monarchie")

Sozial: Bauernbefreiung aus der Gutsuntertänigkeit seit 1807; wachsende Industriebourgeoisie, anwachsende Industriearbeiterschaft

Das politische Klima im Vormärz geprägt von der monarchischen Reaktion
 

Georg Büchner: Der Hessische Landbote, 1834


Medienentwicklung im Kontext dynamischer Industrialisierung, national und international
 

1.  Neue Technologien

Buch- und Zeitungswesen: Letternguss, Setzvorgang und Druck werden weiter mechanisiert

Durchsetzung der Schnellpresse in Buch- und Zeitungsverlagen

Der soziale Aspekt: die Vertreter des manuellen Gewerbes und der Manufaktur wehren sich
gegen die Einführung der Maschinerie

Rotationspresse: 25 Mann an einer Maschine


2. Kommerzialisierung

Ein wichtiger Transmissionsriemen für die Kommerzialisierung im Zeitungs- und Zeitschriftengewerbe: die Werbung

Werbung in der "Gartenlaube"

Umfangreiche Anzeigenteile, in Verbindung mit hohen Auflagen, sollen den Verkaufspreis
senken: Expansion der Massenpresse als erstes Massenmedium der Moderne

Ein Kaufanreiz: regelmäßig Romane in Fortsetzungen. Einführung des Zeitungsabonnements (das die kontinuierliche Lektüre des Romans gewährleistet).
 

3. Die Presse als Unterhaltungsmedium

Der Fortsetzungsroman als Stimulator der Unterhaltungsbedürfnisse
Einstieg in die mediale Serienproduktion

Neue Rheinische Zeitung

Erste gedruckte Kriminalgeschichten in den USA

Science-fiction-Literatur in Frankreich

Die ersten amerikanischen (und bald internationalen) Bestseller

In den USA: Groschenhefte als literarische Konsumware: "Dime-Novels"
 

4. Ausdifferenzierung des Zeitschriftenangebots

Satirische Zeitschriften in London, Paris und München

Punch

Illustrierte Zeitschriften und Familienzeitschriften

Fliegende Blätter

Kladderadatsch

Massenpresse (und Kino) im deutschen Kaiserreich um 1900


5. Bildungsoffensiven

Der Bibliothekstyp der Public Library

Volksbüchereien in Deutschland

Schriftenreihen: Demokratisierung der literarischen Kultur und Hebung des Bildungsniveaus
 

6. Beschleunigung der Nachrichtenverbreitung

Die "Harbour News Association", New York: Nachrichtenbeschaffung aus Übersee

Die erste deutsche Nachrichtenagentur