Mediengeschichte des 19. und frühen 20. Jahrhunderts (1)

Printmedien (I)


 
Grundgedanke Gutenbergs:

die Analyse - die Zerlegung des Ganzen in seine Teile, des Textes in Buchstaben, Satzzeichen, Ligaturen und Abkürzungen nach der von den mittelalterlichen Schreibern geschaffenen Tradition.

Der qualitative Sprung in der Geschichte der Medien:

- Mechanisierung des Handwerks: von der Handschrift zum (mechanischen) Druck
- Einführung einer neuen "Hardware" (Stahl, Kupfer, Blei, Stempel, Gießinstrument)
- Einführung einer "Matrix"
- Vom Unikat (oder der Abschrift) zur Reproduktion  

 Gutenbergs Erfindung


presse


 
 

Gutenberg-Druckpresse (um 1450)
 

presse


Gutenberg-Bibel


Medienchronik, S. 33:

„Diese Umkehrungstechnik (Patrize - Matrize, Positiv - Negativ) zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der Drucktechnik. Durch den Buchdruck werden die ursprünglich manuell erzeugten, originalen, skriptographischen Zeichen zu genormten typographischen Zeichen, die in ihrer identischen Form beliebig oft reproduzierbar sind. In diesem Sinne stellt der Buchdruck die Mechanisierung der Handschrift bzw. die technische Reproduzierbarkeit von Schrift dar, wobei der  identische Zeichensatz und das Potential zur Massenproduktion die Spezifika der „ars Impressoria" ausmachen. (...)
Das typographisch produzierte Buch in bisher nicht vorstellbarer Zahl („multiplicatio librorum"), mit immenser Reichweite und leichter Rezipierbarkeit übt wesentliche Einflüsse auf die Modernisierung von Religion, Verwaltung, Wissenschaft, Erziehung oder Kunst aus. Das „gesellschaftliche Wissen" wird verschriftlicht, neu strukturiert, vervielfältigt und dadurch „ver-öffentlicht". Die Alphabetisierung und der allgemeine gesellschaftliche Verschriftlichungsprozeß, neue, demokratische Formen der Wissensspeicherung und -tradierung (Ratgeber, Handbücher, Lexika, Enzyklopädien) und der Literaturbetrieb modernen Zuschnitts stehen in engem Zusammenhang mit der Etablierung druckschriftgestützter Kommunikation."

- Massenproduktion: die Drucktechnik als Voraussetzung für den Durchbruch der modernen Massenkommunikation unter industriellen Bedingungen

- Reichweite: Bücher erreichen nicht nur Individuen, sondern Völker und Gesellschaften: hier der Umschlag von Quantität in Qualität

- jede Modernisierung ist von diesem Umschlag abhängig
 

Zum zeitgeschichtlichen Horizont der Modernisierung um 1500:

- Reformation und Buchdruck: Emanzipation vom Omnipotenzanspruch der Kirche
- Alphabetisierung und Demokratisierung: die Flugschriften in den Bauernkriegen
- Aufblühen der Wissenschaften („Renaissance"): Säkularisierung der Weltbilder
- Buchdruck und Literatur: die Entstehung des neuzeitlichen „Literaten" und der modernen  literarischen Kultur
 
 

Arch
Die Zwölf Artikel der Bauernschaft (1525)

 
19. Jahrhundert und Industrialisierung

die Bedeutung des 19. Jahrhunderts, seine Medien und ihre Rolle bei der Zivilisierung, Demokratisierung und gesellschaftlichen Konfliktregulierung im Rahmen der Industrialisierung: Wertewandel und Veränderung des Alltags, auch durch eine rasante Weiterentwicklung des Medienumfeldes

Die „Medienlandschaft" in den ersten drei Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts, 300 Jahre nach Gutenberg:

1) Die kulturelle, gesellschaftliche, politische Debatte als Meinungsbildungsprozeß

1802: das Jahr der ersten deutschen Theaterkritik

die Theaterkritik als Vorstufe zum modernen Feuilleton

Satire, Ironie, Polemik als Waffen einer demokratischen, politisch aufgeklärten Gesellschaft

2) Das Umfeld und die Medien der neuen Debattenkultur: Ausdifferenzierung des Pressewesens

neue Zeitungstypen

neue Zeitungsrubriken

Massenbedürfnisse: die Sensation des Tages, das „Tagesgespräch", der Skandal, der Klatsch - demokratisch-plebejische Neugier für das Leben der herrschenden Kreise
 

3) Zum weiteren Umfeld:  Entstehung eines Bildungsbürgertums

neue Wissenskonzeptionen und Strategien von Wissensaneignung und -speicherung: Lexika

Ein ähnliches Speicherungskonzept: die Nationalbibliographie:

Bildungsbürgertum und Demokratisierung der nationalen literarischen Kultur i.S. der Verfügbarkeit:
 

4) Technische Innovationen im Druckereiwesen als Antriebskraft, aber auch als Konsequenz der gesellschaftlichen und kulturellen Veränderungen

die Bedeutung des Buchdruckers Friedrich König

Ungelöste technische Probleme

Durchsetzung der Schnellpresse im Buch-und Zeitungswesen

Technische Entwicklungen im Bereich der Buch- und Zeitungsillustration - Kunstgeschichte als Mediengeschichte:

- Stahlstich             ein Beispiel

- Lithographie        ein Beispiel

- Holzschnitt           ein Beispiel

- Holzstich              ein Beispiel 

Neue Phänomene:

- Beschleunigung der Produktion (Beispiel „Schnellpresse"): Dynamisierung der Nachrichtenübertragung
- massenhafte Verbreitung der gedruckten Medienprodukte > Massenpresse
- verstärkte Visualisierung der Kommunikation: illustrierte Presse

zurück